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Der unscheinbare Funke

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Über- oder bedenkenswert (Pt. 36)

Diesen Eintrag schreibe schrieb ich komplett im Stehen. Ich mag das Stehen beim Tippen mittlerweile sehr gerne. An jedem Bürotag stehe ich – (spätestens) seitdem ich vor etwa über einen Jahr ein circa 80 %iger Rohveganer geworden bin –, den ganzen Vormittag zumindest, und scheiße somit gewaltig auf das dämliche Sesselfurzerklischee. Erst zur Mittagspause wird der Tisch nach unten bugsiert. Vor geraumer Zeit, einige Wochen ist es mittlerweile her, habe ich mein ›Heim-Setup‹ ebenfalls geändert und stehe ergo nun auch zu Hause (im Homeoffice) bis zum Lunch Break. Der Einfluss auf mein privates (beziehungsweise persönliches) ›Herumwerkeln‹ schlich sich durch die Umgestaltung meiner Räumlichkeiten sozusagen von alleine ein. Ich tausche fortan lediglich den Laptop aus; der berufliche Rechner weicht der guten T'Sally [Werbelink]. Und so stehe ich erneut sehr oft, ich will sogar behaupten: nahezu überwiegend. Es gibt wenige Ausnahmen, zum Beispiel wenn ich (›Abendbrot‹) esse und dabei eine Serie anschaue, oder wenn ich mich echt mal faul auf meine neue Couch lümmele, um mir irgendwelche bewegten Bilder genüsslich reinzuziehen; ab und an auch für eine aufmerksame Lektüre. Tatsache ist indes, dass ich meine privaten Tage vor dem Schirm gefühlt zu 80 % im Stehen verdinge und es bisweilen arg zu lieben gelernt habe. Summa summarum hat sich in mir ein neues Feuer entfacht, das ich nicht mehr missen will.

Die kleine Anekdote aus meinem Leben – wie fast immer ohne großflächige Details preiszugeben – erwähnte ich lediglich aus einem Grund, den ich sofort droppen werde: Das angesprochene ›Feuer‹ – und ich korrigiere mich sogleich – würde ich eher als eine Art von Funken beschreiben wollen, der sich klammheimlich in mein Dasein in vertrauten Gefilden einschlich. Der springende Punkt dabei ist: Dieses kleine Licht wird von mir auch in das Äußere getragen und strahlt bekannte und fremde Gestalten an, ohne dass sie wissen, weswegen der Zeitgenosse ihnen gegenüber so freundlich, nett und glückselig entgegentritt-/trat. Nicht immer, das ist klar, doch schon meistens, würde ich behaupten. Es ist wie der sprichwörtliche Punkt über dem kleinen ›i‹, der nicht nur glänzt, sondern auch in seiner Gestalt Funken versprüht. Das hört sich, zugegebenerweise, recht seltsam an, und der Satz sollte an der Stelle einfach enden, ehe er noch stranger rüberkommt; ich höre deshalb auf den Ruf, selbst wenn es mich in den Fingerkuppen kitzelt. Machen wir mal einen Denkabsatz, das schadet nie und unterstützt gleichsam die Lesefreundlichkeit – ein langes deutsches Wortmorphem, das ich eigentlich in Gänsefüßchen hätte setzen müssen.

Chancen werden gegeben, um genutzt zu werden. Die Aussage gefällt mir ganz und gar nicht. Ich würde eher von Weckrufen und Möglichkeiten sprechen. Viele jener habe ich in den vergangenen Monaten genutzt, um meine kleine, vielleicht sogar farblose Existenz auf Erden zu ändern. Nicht für andere Mitbewohner – ausschließlich und in erster Linie für mich alleine. Das Resultat schillert letztendlich wie ein Regenbogen auf alle nieder, die mit mir in irgendeinem Kontakt stehen. Nicht Gewolltes erfreut manchmal ungemein. Und sofern es ›gut‹ ankommt, ja, dann hat man gänzlich Unerwartetes erreicht, ohne dafür großartig etwas beigesteuert zu haben. Klarerweise hat man nichts damit geschaffen, mit Ausnahme des ›Dings‹, das auf Artverwandte gar mysteriös überschlägt. Ziehe ich abermals den Vergleich mit dem Feuer heran, kann man obendrein davon ausgehen, dass der Funke die Verbreitung sucht, mittels seiner ganz speziellen Herangehensweise und bestückt mit der Gier nach Dauerhaftigkeit; ein frommer Wunsch, der nie ausgesprochen wurde. Fakt ist und bleibt: Es macht mich glücklich; es gibt mir Momente des beseelten Wohlfühlens, wenn mein eigenes Empfinden auf das von Mitmenschen überschwappt. Die winzigen, schlichten Augenblicke genügen mir völlig. Das große ABER folgt, selbstredend, auf dem Fuße – und nach einem Absatz.

Wie fange ich an? Sollte ich ausformulieren, dass ich das ausschweifende Gefühl des verloren-gedachten ›Feuerfunkens‹ bei vielen Individuen vermisse oder sollte ich positiv herangehen, um zu behaupten, dass eine verschwindend geringe Anzahl von Entitäten auf den Zug aufspringt, um nach der kürzlich unschön genannten Chance zu greifen, um sie für das eigene Sein auszukosten? Ein langer Fragesatz, womöglich einer von der elenden Zunft, die besessen wirkt oder ist, um über Umstände zu schwadronieren, die niemals der Rede wert gewesen wären, darüber überhaupt nachgesinnt zu haben. Wie nennt man noch gleich Umschreibungen, die zwischen den Zeilen nach einer Antwort (flehend) rufen, ohne dabei eine offen dargebrachte Erkundigung in den Raum zu stellen? Eine alternative, lautmalerische und erheblich kürzere Äußerung könnte eventuell so ausfallen: Welche Sätze fragen ohne Fragezeichen? Eine schwierige Variante wäre: Dürfen Überlegungen in die Welt getragen werden, auf die bereits Antworten existieren, eigene jedenfalls? Der bereits obligate Denkabsatz hilft nicht nur mir.

Bei der letzten Predigt am zurückliegenden Sabbat* zeigte mir der Mann am Mikrofon, alleinig durch seine Präsenz, wohlgemerkt, was es bedeuten kann, wenn man sein inneres Feuer in der Hoffnung versprüht, das unscheinbare Funken zu denen überspringen, die der Worte bedächtig lauschen. Für eine unnötige Anmerkung: Einer der zuhörenden Gestalten war meine Wenigkeit. Und um ehrlich zu sein, hatte ich seinen Drang zwar sogleich vernommen und dennoch erst wesentlich später in all seiner Intensität aufgefangen, eingesogen sowie verinnerlicht, um seine Botschaft dahinter halbwegs für mich verständlich zu machen. Die Tatsache, dass es mich danach drang, jenes Erlebnis niederzuschreiben, kommt einem Eingeständnis sehr nahe. Der Prediger agierte quasi wie ein Abbild meiner Selbst, mit dem großen Unterschied versehen, dass ich wohl niemals dazu befähigt sein könnte, ähnlich aufzutreten wie er es tat, so sehr ich jemals gewillt wäre es zu sein – weder heute, noch in einem unbekannten Morgen. Die Inhalte seiner Sermon sind (dagegen) – für hier und heute – einerlei, sie müssen weder angesprochen noch aufgeführt werden und ich mag sie auch nicht im Nachhinein bewerten. Wichtig halte ich jedoch die Erwähnung, dass ich erst nach einer geschlagenen und erlebnisreichen Woche später, und das muss ich peinlichst einräumen, sie verstanden hatte. Meine geradezu triviale Mitteilung an die Außenwelt kann deswegen nur wie folgt lauten: Erkenne den Funken – wo und wann auch immer – und greife nach ihm! Dass ich solche Flammen der wahrlichen Freude um mich herum jäh vermisse, soll und darf am Ende kein Geheimnis bleiben. Der HERR kennt seine Zeit und weiß, wann es angebracht ist, sie in die Gegenwart zu hieven. Und ja: SEINE Welt ist kein Stehimbiss.

Ich bugsiere meinen (neuen) ›Arbeitsbereich‹ jetzt wieder nach unten und werde ins Land der Träume über- oder abdriften. Das ist nicht nur ein guter Plan, sondern ein Teil meiner eigenen, unspektakulären Realität. Meine Flamme muss ruhen.

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PS: Das Titelbild ist so nicht mehr aktuell. Es fehlt (noch) das Stativ für den großen Monitor und der Stehpult-Konverter für den Laptop; des Weiteren zeigt die Ablichtung das Sofa in seiner ausgezogenen Form.
* Ich gestehe, dass ich diese Zeilen am Sabbat schrieb. Das wollte ich eigentlich tunlichst vermeiden.

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