WiP—DoW: Konditionierungssätze
WiP—DoW_pt1
Ein Versuch des inkrementellen Schreibens.
WIP: (eigentlich) ›Work In Progress‹
WiP: (steht hier für) ›Words in Progress‹
DOW: (eigentlich) ›Day Of (The) Week‹
DoW: (steht hier für) ›Days of Words‹
Zahl vor DoW: (zeigt die) Summe der Tageseinträge (auf)
[bis der Text vollendet war oder beendet wurde]
Der typische ›Einheitsdeutsche‹, unabhängig der kulturellen Identität und stolzen Vielfalt, regt sich bekanntlich gerne über etwas (Spezifisches) auf. Und ich habe mir einzugestehen, dass der geringe genetische Teil in mir dem nicht nur zustimmen muss, sondern der echauffierenden Obsession ebenfalls mit einer sonderbaren Freude nachgeht, um nicht zu sagen: sie über die vergangenen Jahre hegte und pflegte. Vermutlich liegt das daran, und das ist als eine elend schlechte Ausrede zu werten, dass ich gemeinhin zu viel Zeit mit klischeebehafteten deutschen Staatsbürgern zubrachte, ob sie lediglich im Geiste, von der rein biologischen Warte aus betrachtet oder gemäß dem ausweisenden Papierkram (nach) ›Volldeutsch‹ sind/waren – (all) das spielt am Ende keine Rolle. Vielleicht liegt es eher an der exzentrischen Schwingung, die das Land Tag ein Tag aus heimsucht, um den esoterischen Hauch mit einem vollständigen und langen Nebensatz zu wahren, der gleichsam die relativ kurze Vorrede abzuwickeln versucht; was der geradezu absurden Bemerkung selbstverständlich fehlt, ist eine Erklärung, allerdings will man das kennen aus jedweden obskuren Kreisen.
›Wenn-Dann‹-Formulierungen hasse ich [wie die Pest, die ich niemals erlebte – und wenn, dann (...) in einem anderen Leben, in einer früheren Reinkarnation, um ferner mit spirituellen Vokabular im vollem Glanz zu protzen]. Und ich hasse wenig. Per se verabscheue ich nicht die Leute, die sie verwenden, jene Umschreibung, das wäre irgendwie abartig zynisch. Ich will sie lediglich im Augenblick zutiefst verachten. In dem kurzen Moment, wenn sie sich derer annehmen und sich ihrer hingeben, einerlei, ob es bewusst oder weit unter der latenten Wahrnehmungsschwelle geschieht/geschah, weil ich immer davon ausgehe, dass ein ausgeprägtes Bewusstsein auf der Zunge klebt und verzweifelt nach Erlösung ruft. Die paar ungepflegten, verkommenen und fast vergessenen Haare auf den Zähnen liefern fügsam und unfiltriert ihren Anteil dazu. Gedanken wollen aus ihrer Gefangenschaft nicht mit dem Gier nach der Unbedingtheit entlassen werden, und trotzdem strebt es ihnen durchaus ab und an in den Sinn, die Knechtschaft der tatsächlichen Unterdrückung für einige Sekunden am Tag zu durchbrechen, um den wohligen Duft der vorgegaukelten Freiheit zu spüren, ihn sozusagen befriedigend einzuatmen.
Das absolute Minimum, das ein Mann einer Frau zu geben oder zu bieten hat, ihr optisch zu zeigen und anbiedern darf, ist eine saubere Rasur, zumindest im Gesicht. Nichts gegen Bärte, doch selbst solche Ikonen der zeitgenössischen Optik tun gut daran, in ihrer Gänze die Form stets zu wahren, um wenigstens im äußeren Schein ein Lied von hingebungsvoller Pflege zwitschern zu singen. Wenn nicht selbst Hand angelegt werden soll, dann (...) bietet sich der Besuch beim örtlichen Barbier an, der einem die Arbeit gegen Bezahlung abnimmt, ob mit Leidenschaft oder ohne – das Resultat spricht allseits für sich. Und wenn nicht, dann (...) wächst es nach. Zünfte, die ihre Kunst verstehen, wissen darum.
Halten wir fest: Egal wie ein Mann meines Geschlechtes aussehen mag – was heißt: aussehen will –, gepflegt hat es allemal zu sein, um den langen Quatsch vieler unnötiger Worte abzukürzen. Frauen verlangen eine ganze Menge, aber letzten Endes reichen ihnen die Basics, womit gemeint ist: Das Gesamtbild muss stimmen oder stimmig wirken. Klar ist, die ›Sache‹ an sich ist mit einer billigen Äußerung wie dieser beileibe nicht abgerundet; meine sprunghaften Gedanken, ausgebuttert in einem Rausch der Trunkenheit der bevorstehenden Nacht, waren eine Verschwendung von kostbarer Lebenszeit. Sorry dafür. Ich gehe unverzüglich schlafen und setze morgen fort, eventuell. Weil danach habe ich sicherlich alles vergessen, wovon ich unbesonnen schwadronierte, insbesondere den Zusammenhang. Möglicherweise verlangt es nach Antworten, besser wäre es, wenn sie frisch wären, doch das wird nicht geschehen, denn ich bin beim besten Willen nicht die Lösung, weder heute noch sonst irgendwann. (– obwohl ich gerade einen Satz mit ›wenn‹ und ohne ›dann‹ brauchbar zu Ende formulierte.)
– Freitag, 29.05.2026 (gespeichert um 1:44 Uhr) –
Die gute Nachricht: Ich habe nichts vergessen.
Die schlechte Botschaft: Ich bin lustlos fortzufahren.
Die Schlussfolgerung: Ich bin drauf und dran, es hinauszuschieben.
Die praktische Lösung: Eine jetzt schon gegönnte Mütze voller Schlaf.
Bis dahin sorgen wir dafür, das Wesenheiten nicht auf das Notwendige hinaus vermehrt werden dürfen – frei paraphrasiert nach William von Ockhams Rasiermesserprinzip; und ja, es gibt/gab viele Deutungen, Meinungen und Thesen, wie oder was der franziskanische Philosoph damit meinte. Bereits der heute allseits bekannte Name (Rasiermesser) geht nicht auf ihn zurück. Seine lateinische Formulierung ›Dico igitur quod pluralitas non est ponenda sine necessitate‹ – übersetzt: ›Daher sage ich, dass eine Vielheit nicht ohne Notwendigkeit angenommen werden darf‹ –, steht im Prolog seines Hauptwerks.*
Wie dem auch sei, ich komme gegebenenfalls darauf zurück, morgen eventuell, weil die Parsimonie irgendwie zur Wenn-Dann-Frage recht gut passt.
– Dienstag, 02.06.2026 (gespeichert um 0:17 Uhr) –
Misanthropen könnten unter ›pluralitas non est ponenda sine necessitate‹, also quasi dass das Seiende nicht ohne Notwendigkeit vervielfältigt werden soll, die biologische Vermehrung ins Auge fassen. Eine philosophische Interpretation (sic!), die mir gefallen mag. Fairerweise sei der Einschub erlaubt, dass das zwar eine sehr bekannte (transkribierte) Version ist, diese aber nicht mehr viel mit unserem Bill von Ockham zu tun hat. Ja, Bill, nicht William. Bill war bestimmt sein Spitzname. Die einfache Theorie stimmt immer und benötigt in dem Zusammenhang nicht mal eine Begründung. Ergo: Nehmen wir sie einfach hin, an einem neuen Tag, an dem der oft verwendete Konditionalsatz nicht Einzug in mein Leben fand. Ich schlafe nochmals darüber und Träume hoffentlich nicht hiervon.
– Donnerstag, 04.06.2026 (gespeichert um 23:23 Uhr) –
Muss man etwas bieten, um jemanden für sich zu gewinnen?
Sprach der neue Tag fragend vor sich hin, derjenige, der nach dem neuen kam, danach noch einer und obendrauf ein weiterer. Keine Ahnung, ob das stimmt. Mag sein. An allen Sabbaten versuche ich ab sofort nicht mehr als 1.000 Wörter zu schreiben; und heute ist ein Sabbat. Ein Segen für alle. Eine Ausrede für mich. Und Zeit ist Luxus.
– Freitag, 05.06.2026 (gespeichert um 1:26 Uhr) –
Der Sabbat ist vorüber und ich denke, ich schließe dieses erste Experiment auch sogleich ab. Ich gehe auf nichts mehr ein. Wer mir folgt, weiß, was ich meine. Falls du es nicht weißt, hast du keine Ahnung. Sofern das einem nicht gefällt, ist dem so. Wie man es dreht und wendet, spielt eine Rolle oder keine. Und natürlich: Wenn es nicht denkbar ist, dann darf das Grübeln eingestellt werden. Unter Bedingungen, da handelt es sich schwer, vorausgesetzt natürlich dessen, dass sie nicht (ab)änderbar sind. Je mehr sich bemüht wird, desto besser kann das behelfsmäßige Ergebnis wachsen; es muss nur gewollt sein. Bei Faulheit besteht hingegen die höchste Gefahr zu stagnieren. Und ohne Prokrastinieren, kein Aufschub.
Nicht alle soeben gewählten Formulierungen waren inhaltlich korrekt. Abgesehen davon halte ich sie für taugliche Beispiele von Bedingungssätzen. Kritisch wird es, wenn (...) Rhetorik ins Spiel kommt, wo sie nicht angemessen ist und sogar den Sinn so verdreht, dass mit Verlaub zu fragen ist, ob der Schöpfer dahinter sich beim Reden oder Schreiben selbst zuhört bzw. zusieht.
Mit einer letzten, überdimensioniert dümmlichen und geradezu anmaßend ekelhaften Veranschaulichung ende ich still und stumm:
Ich bin keiner Menschenseele böse, die mein Verzapftes nicht unter dem Scheffel der Brillanz hervorschimmern sieht; hingegen wäre es klasse, wenn du darüber nachdenken würdest, es auch großartig zu finden. Entferne das störende Gefäß und sauge den Glanz der Leuchtkraft ein!
– Sonntag, 07.06.2026 (gespeichert und 14:14 Uhr) –
___
* Primärquelle
Reihe: Guillelmi de Ockham: Opera Theologica, Band 1.
Titel: Scriptum in librum primum Sententiarum. Ordinatio. Prologus et distinctio prima. Prologus, Quaestio 1, Artikel 3.
Sekundärquelle
Summa logicae. Teil 1, Kapitel 12 und 57.
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