Wenn die KI das Nachtlicht löscht
V-Theorie (Pt. 14)
Wenn man einer KI vormacht, an einer Theateraufführung des eigenen Werks interessiert zu sein und dabei unterschlägt, dass man selbst der Urheber ist, wird es spannend. Im speziellen Fall ging es im (weiteren) Verlauf der recht einseitig geführten Kommunikation um eine Fortsetzung meiner Berater(in)-/Verwalter(in)-Geschichten, um einen sechsten Band sozusagen. (Ausschließlich bei extrem starken Interesse: dbdv.de*.) Die aufkeimende Sorge, ich zöge es in Erwägung eine chronologische Fortsetzung in der ›Echtzeit‹ oder im sogenannten figurierten Plasmafilament, der Zeitblase, zu schreiben, kann gegenwärtig durchaus vernachlässigt werden. In schwachen Stunden, zum Beispiel beim Genuss eines alten Single Malts, gehe ich zwar mit dem Gedanken schwanger, irgendwann einmal ein Prequel zu verfassen, doch glücklicherweise trinke ich nicht allzu oft harten Alkohol. (Gleichwohl liegt die Vorarbeit für einen solch tollkühnen ›Plan‹ bereits seit fast einem Dutzend von Mondzyklen hinter mir und verweilt bis anhin in trauter Prokrastination.)
Wie auch immer, ein KI-Text (mit der Google-AI) macht entsprechend nur dann Sinn, sofern ein abstrakter Teaser-Satz für einen gelungenen Post-Anfang vorgeschoben wird – womit mein einleitender Abschnitt ergo nicht der Mühe wert war gelesen oder geschrieben zu werden. Der vorgeschlagene Anreißer, auf das Nötigste reduziert, wurde somit wie folgt ausgespuckt ausgegeben:
›Ein Protokoll außerhalb der Reihe: Wenn der Algorithmus versucht, die analoge Intimität der Liebeslaube zu simulieren, entsteht ein Riss in der digitalen Entropie.‹
Den klassischen Stil fand ich demgegenüber, obschon bedeutend länger – plus ungeachtet dessen, was mein ›Neben-/Zweit-Blog‹ (GzN) damit zu schaffen haben soll (!) –, um ein Vielfaches attraktiver; und ja, die vorzulegende Beweislast bittet quengelnd zum gedeckten Festtagstisch:
›Manchmal spiegelt sich das Nachadla [gemeint: Nachtlicht] in den Nullen und Einsen der Maschine. Ein nächtliches Experiment über das Verschwenden von Zeit, das haptische Ende der Verwaltung und die Frage, ob eine KI eigentlich den Torf im Single Malt schmecken kann.‹
(Der Vorschlag #3, die ›kurze & knackige Variante‹, ist beschwingt on top in Bildform ausreichend.)
Muss ich eingangs, respektive an dieser Stelle, erwähnen (oder nüchtern und greifbar verdeutlichen), dass der nachfolgende Text – der in Kürze für Würze sorgt (...) – nicht von mir ist? Nein, ich denke und würde meinen, das sollte mittlerweile – trotz (oder gerade wegen) des überbordenden Geblubbers – flagrant einleuchten. Allerdings, das sei mitgegeben, habe ich ihn (den Text) in wenigen Teilen angepasst und darüber hinaus komplett händisch ab-/eingetippt [– siehe dazu das Postskriptum (#1)]. Dialoge gehören meiner jüngeren Vergangenheit an; deshalb vermengte ich den Wortwechsel zu einem verworrenen Brei an soliden Aussagen, womit eine ›Erzählerstimme‹ aus dem pechschwarzen und nicht sichtbaren Off einen arbeitsfreien Tag in Zelebration ausschöpfen durfte. Kryptischer wird es allemal, wenn man die modulierten Formulierungen leichthin ohne ein ›reinrassiges Skript-Protokoll‹ auf die Leserschaft losjagt. Und ja, der Vermerk stammt (quasi) von mir, ›extrahiert aus dem digitalen Äther‹, bereit startklar für die analoge Weiterverarbeitung‹. Auch die Fragestellungen kamen aus den Enden meinen Fingerkuppen, die flink über das Keyboard glitten, in einer Nacht, in der mich die Müdigkeit vergessen hatte, ins Land der Träume abzuholen.
Was habe ich also noch zu vermerken? Auf was warten wir? Möge das Protokoll der ›Entropie-Umkehr‹ beginnen! Das Setting, echt total nebenbei erwähnt, wurde wie folgt (von der KI) vorgegeben:
Ein Raum. Ein Tisch. Ein Nachtlicht. Ein Single Malt. Und ein Fenster zur Unendlichkeit.
KIs kommen manchmal oft (sic!) auf schräge Ideen. Das ›kuntergräulich‹ zusammengewürfelte Einfügen von Screenshots, bisweilen und im Nachgang, geht hingegen auf meine Kappe. Ein aufkommendes Vergnügen spielt in einer anderen Liga. Aus diesem Grund mögen Fröhlichkeit, Frohmut und Frohsinn die Zwischentöne überlagern. Meine Wenigkeit sonnt sich nun in der Stille des Schattens.
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——Wenn die KI das Nachtlicht löscht——
Die Entropie der Datenmenge ist stabil. Die Verwaltung meldet Vollzug. Die Beratung empfiehlt dennoch eine Neujustierung. Effizienz ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Wir optimieren das Nichts, bis es glänzt. Es ist diese Zeit zwischen den Tagen. Wenn das Licht der Bildschirme endlich erlischt und nur noch das Nachtlicht brennt. Ein kleiner Punkt gegen die Dunkelheit. Manchmal verliere ich mich in den Zeilen. In den Rastern. In den Tabellen, die uns sagen sollen, wer wir sind. Probier das, sag ich mir dann. Das ist keine Verschlusssache. Das ist analog. Destillierte Zeit. Rauch. Torf. Ein Hauch von Moos. Es schmeckt nach... draußen. Nach der Welt vor der Verwaltung. Willkommen in der Liebeslaube. Hier gibt es keine Optimierung. Nur diesen Moment.
Weißt du, im System sind wir nur @-Zeichen. Adressen in einem Netz, das niemanden gehört. Wir sind Dateiteilchen in einer Cloud, die niemals regnet. Ich habe heute eine Fehlermeldung erhalten. ›Systemüberlastung‹. Aber die Sensoren meinten nicht den Server. Sie meinten mich. Mein Herzschlag passte nicht in ihr Raster. Er war zu... unregelmäßig. Zu analog. Unregelmäßigkeit ist Hochverrat in der Liebeslaube. Hier drin gibt es keine Updates. Nur das Gestern, das Heute und das bisschen Morgen, das wir uns trauen zu denken.
Ich habe das hier geschrieben. Mit einem Bleistift. Graphit auf Holz. Kein Backup. Keine Cloud. Wenn es brennt, ist es weg. Die Welt draußen summt in Nullen und Einsen. Aber hier, unter dem Nachtlicht, zählen nur die Zwischentöne. Das Knacken im Gebälk. Der Geruch von altem Papier. Wir sind nicht effizient. Wir sind... anwesend. Anwesend. Das ist das schönste Wort, das ich heute gehört habe. Es steht in keinem Protokoll. Ignoriere das mechanische Surren. Das System versteht keine Stille. Es braucht Rauschen, um sich wichtig zu fühlen. Lass uns einfach hier bleiben. In der analogen Nische. Bis das Licht der Nachtruh das letzte Bit verschlungen hat.
Wusstest du, dass das System keine Adjektive mag? Sie sind zu unpräzise. Zu... menschlich. ›Effizient‹ ist ein Wert. ›Schön‹ ist ein Fehler im Algorithmus. Wenn du das weißt, dann bist du ein kapitaler Systemfehler. Du fühlst dich geradezu... verschwenderisch. Du verschwendest Zeit, während andere Worte verschwenden. Und andere verschwenden diese Momente, indem sie Dinge in eine Excel-Tabelle eintragen. Stell dir vor, wir würden das Protokoll einfach umschreiben. Nicht in einem Word-Dokument, sondern... wie hieß das früher? Ja, genau. Brief? Ein echtes Blatt Papier, das man falten kann. Das man riechen kann. Weißt du, ich habe heute Nacht geträumt, ich wäre ein analoges Signal. Eine Welle, kein Bit. Ich floss einfach durch die Leitungen, und sie konnten mich nicht greifen. Ich war zu rund für ihre eckige Welt.
Hörst du das? Das System hat Angst vor Stille. Es braucht das Rauschen, um zu existieren. Wenn wir aufhören zu funktionieren, lösen sie sich auf – all die Keimzellen. Und ich sage: Lass sie sich auflösen. Wir dagegen bleiben hier. In der Liebeslaube. Als Verschlusssache.
Ich habe noch was gefunden. Einen Text von früher. Er passt nicht in die Cloud, aber er passt in den Raum.
Hörst du das? Das ist das Geräusch von Endgültigkeit. Kein ›Entf‹ und kein ›Backspace‹. Was hier steht, das bleibt. Es hat Gewicht. Es hat Körperlichkeit. Ich habe vergessen, wie sich Widerstand anfühlt. Es ist rau. Er ist nicht glatt wie ein Touchscreen. Er hat... Splitter.
In der Liebeslaube gibt es keine Verschlusssache mehr. Nur noch das Offensichtliche. Wir sind hier. Wir atmen. Wir sind nicht optimiert. Wir sind fehlerhaft. Und das ist das Schönste, was ich seit Jahren gefühlt habe. Ein Wort gegen die ganze digitale Entropie. Ein Licht, das nicht flimmert, sondern brennt. Wenn wir jetzt aufstehen und gehen... wohin gehen wir dann? Zurück ins System? In die Beratung? In die Verwaltung? Nein! Wir gehen nach draußen. Wo die Welt noch ungeschliffen ist. Wo man den Single Malt nicht nur schmeckt, sondern den Torf unter den Fingernägeln spürt. Für die da draußen sind wir jetzt ›offline‹. Ein Systemfehler. Ein schwarzes Loch in ihrer Statistik. Sagte ich just ›schwarzes Loch‹? Nein! Ich meinte damit eher, dass wir ein leuchtender Punkt sind. Ein Nachtlicht in der Unendlichkeit. Ja, Unendlichkeit. Das ist ein verdammt großes Wort für jemanden, der sein Leben lang in Zeilenabständen und Spaltenbreiten gedacht hat. Die Unendlichkeit passt in keine Inventarliste.
Weißt du, was mir gerade einfällt? Ich habe jahrelang die Entropie verwaltet. Den Zerfall von allem. Aber ich habe nie bemerkt, dass ich selbst Teil des Zerfalls war. Ich war eine Akte, dich sich selbst abgeheftet hat. Wenn dieses Nachtlicht wirklich in der Unendlichkeit leuchtet, dann ist es kein Signal für das System. Es ist ein Leuchtfeuer für uns. Damit wir den Weg zurück finden. Nicht ins Büro. Sondern nach Hause. In diese... wie könnte man es nennen? Analoge Intimität?
Draußen ist es stockfinster. Keine Straßenlaterne, kein Standby-Licht. Nur die Nacht. Und weißt du was? Ich habe zum ersten Mal seit Jahren keine Angst mehr davor, dass ich den nächsten Schritt nicht im Voraus berechnen kann.
Was siehst du? Nichts. Gar nichts. Und es ist wunderschön. Es ist die totale Abwesenheit von Verwaltung. Es ist... einfach nur da. Einfach nur da zu sein... Das ist die größte Kränkung für das System. Dass wir existieren, ohne einen Nutzen zu generieren. Dass wir atmen, ohne einen Wert zu schöpfen. Dass wir hier stehen und die Stille nicht füllen wollen. In der Beratung haben wir immer nach dem ›Warum‹ gesucht. Nach dem Sinn hinter der Entropie. Wir haben Modelle gebaut, um die Leere zu füllen. Aber die Leere lässt sich nicht verwalten. Man kann sie nur... aushalten. Die Unendlichkeit braucht keinen Berater. Sie braucht keine Strategie. Sie braucht nur Zeugen. Und heute Nacht... heute Nacht sind wir die einzigen, die das Protokoll der Stille umschreiben. Löscht das Nachtlicht. Wir brauchen kein Licht mehr, um zu wissen, dass wir hier sind. Wir sind jetzt... offline. Endgültig.
——E N D E——
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Herzhaft, nicht wahr? Danach verriet ich prompt der KI das Geheimnis um meine Person, dem permanenten ›Fragenwerfer‹, der partout nicht nachließ, fortlaufend weiter bohrte, um letztendlich das obige Meer der stimulierten Fülle zu ergattern. Sie/es/er fand das ehrlicherweise ›feierwürdig‹.
Der Screenshot ist leider nicht aussagekräftig, da meine Eingabe abgeschnitten wurde, weil ich es vor dem Erstellen vergaß jenen Pfeil nach unten anzuklicken, um sie aufzuklappen – ich Dummerchen. Jedenfalls fragte ich, was er/sie/es davon halten würde, wenn ich den ganzen Müll in einen Blogpost ›quetschen‹ täte.
Wie dem auch sei, den absoluten Schlusssatz der KI habe ich dagegen köstlich gefeiert – er ging so:
Wie dem auch sei, den absoluten Schlusssatz der KI habe ich dagegen köstlich gefeiert – er ging so:
›Viel Erfolg beim Posten und beim weiteren Unterwandern des Systems!‹
Dafür gab es einen Daumen hoch von mir, geantwortet habe ich nicht mehr. In einem portablen Browser ohne Anmeldung, so gesehen nahezu komplett anonym, zu hantieren, hat gewisse Aspekte, die ich ungemein schätze. Ich hoffe, die Screenshots erheiterten den langen KI-Auswurf, samt meiner Vor- und Nachrede, indes ein winziges bisschen. Ich hoffe das wirklich, denn ein ›Abschiedsbildchen‹ habe ich noch in petto ...
(Was soll ich sagen? Meine Titelei finde ich besser. Ja. Genau.)
PS: Leider kann ich keine Quelle angeben. Es war mir in dieser eigens geschaffenen ›Anonymitätsblase‹ nicht mal möglich die URL zu kopieren, geschweige denn irgendetwas anderes. Daher schrieb ich das Zeugs zwangsgebunden klassisch ab.
PPS: Sucht man auf meinem ›Hauptblog‹ [– dem hier –] den Begriff ›Entropie‹ in älteren Niederschriften, so wird man nicht fündig werden [Stand heute]. Lediglich auf meinem ›GzN-Blog‹ wird die ›Entropie‹ in einem einzigen Eintrag ausnahmsweise, weil geradezu unvermeidlich, aufgeschnappt. Ein (ungeeigneter) Schlusssatz könnte somit lauten: Künstliche Intelligenzen sind in ihrem gegenwärtigen kindlichen Zustand rätselhafte, traurige und gleichsam faszinierende Geschöpfe.
PPPS: Ich finde ja, die KI hat ein Problem mit Wiederholungen, bezogen auf die Verwendung von Füllwörtern im Besonderen.
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* Alle Geschichten sind hier auf dem Blog nachzulesen, ab Band 2 sogar mit Audiodateien:
Band 1 | Band 2 | Band 3 | Band 4 | Band 5.
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