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•••Ⓚontakt

Liebe mit Sonnenbrille

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UnNatur (Pt. 10)
Gastbeitrag auf fabelschmiede.de

Ich habe einen Spleen. Ich trage Sonnenbrille, draußen, immer. Möglich, dass ich ein kleiner Lagerfeld bin, aber m. A. n. unwahrscheinlich.

Das Thema von Severine ist die Beschreibung eines Gefühls namens Liebe, explizit zum Haushund.

Die Liebe ist wissenschaftlich gut erforscht, so gut, dass es bereits heute theoretisch möglich wäre, die Grundfähigkeit - auch beim Menschen - zumindest temporär zu ändern. Praktisch ist es auf jeden Fall ein Kinderspiel Werte zu messen und auszuwerten.
Rein biologisch-chemisch betrachtet kann man die Entstehung und Fortführung einer Liebe auf zwei Hormone reduzieren, die beide im Hypothalamus gebildet, im Hypophysenhinterlappen gelagert, auf Chromosom 20 kodiert und bei Bedarf ausgeschüttet werden. Deren Namen: Oxytocin und Vasopressin.

Faszinierend für einen gefühllosen Vulkanier, vielleicht aber auch recht spannend für  "häßliche, große Beutel, hauptsächlich mit Wasser gefüllt". 
Das da oben waren meine Worte, das jetzt gerade eben nicht. Ich mag Star Trek, aber ich mag weder Q noch Vulkanier, sorry.

Um einer wissenschaftlichen Dissertation aus dem Weg zu gehen, hier nur mal so ein paar Pünktchen, für was denn so diese Hormönchen verantwortlich sind.  
Gerade Frauen, die Kinder zur Welt brachten, sollte ein erhöhter Oxytocinspiegel gut bekannt sein. Ohne dessen Sezernierung hätten es Neugeborene recht schwer. Muttergefühle blieben aus, die Bindung wäre nicht vorhanden und vielleicht wäre das tägliche Manna in Form von Muttermilch nicht ganz so köstlich, wenn überhaupt vorhanden. Glücklicherweise ist es schwer vorstellbar, dass Personen mit einer geringen Oxytocinausschüttung unter normalen Bedingungen überhaupt Leben erzeugen würden, fehlt ihnen dafür doch jegliche Sozialinterkation. 
Nicht alles ist genetisch fest determiniert, und so gibt’s wohl auch Ausnahmen, die bedingt sind auf die Allel-Typen, die Zustandsform eines Gens am Locus. Ich möchte das nur beiläufige erwähnen, um hervorzuheben, dass jedes bio-chemisches Leben unterschiedlich stark oder schwach auf einwirkenden Situationen reagiert.
Um es kurz zu machen: Dieses Hormon ist so ganz profan unser Bindungshormönchen. Bindungs- und soziale Gedächtnisfähigkeit, ganz besonders Vertrauen und die Bewältigung von Stresssituationen werden unter der Wirkung einer Oxytocinausschüttung gesteuert und grundlegend definiert. Was für mich persönlich ganz besonders interessant ist, werde ich weiter unten noch mal aufgreifen, hier jedoch außen vor lassen.
Vasopressin-Rezeptoren sind für die Treue und im Vorfeld für die Paarbildung an sich da.  Das Peptidhormon ist allerdings auch für das Aggressionsverhalten zuständig, insbesondere wenn es um die Verteidigung des Partners der Wahl geht.
Wie auch schon beim Oxytocin, so kommt es auch beim Vasopressin darauf an, ob die Balance auch stimmig ist. Eine emotionslose Wertung meinerseits würde den einfachen Schluss ziehen, dass wenn alles passt, diese Hormönchen das aktive Liebesleben, ganz besonders eines Mannes, positiv steuern.  Mein autodidaktisches Wissen lässt mir jedoch keine weiteren Schlussfolgerungen zu, auch wenn sie spannend, nicht faszinierend, wären.

Um auf den Hund zu kommen…
...schaut man dem Tier in die Augen, oder darf man das nicht? Wie war es seinerzeit bei der Domestizierung des Haushunds?  Funktioniert zwischenartliche Kommunikation auch interspezifisch? Bestimmt! Mit Sicherheit aber nur dann, wenn man durch oxytociner Ausschüttung hohen Maßes in der Lage ist die Gefühlsregungen, die Emotionen, des Gegenüber durch einen Blick in die Augen richtig zu interpretieren. 
Die Vorzeitmenschen müssten in dieser Fiktion Über-Menschen gewesen sein, die Wölfe Lichtgestalten. Um ins Jetzt und Hier zu wechseln schätze ich die Qualifikationen von wild-lebenden Wölfen und in ihrer Art natürlich gebliebenen Hunden höherwertig ein, als die von zweibeinigen, habituellen Bipeden der Neuzeit. 
Gehen wir aber mal davon aus, dass es so einen Über-Menschen heute noch gibt, was würde passieren, wenn er auf einen degenerierten Wolf treffen würde, der die Fähigkeit über den direkten Augenkontakt ein Vorabtasten und Ausloten nicht mehr befähig wäre? Eine schwierige Situation, eine mögliche Antwort: es würde knallen. 
Dieses Szenario könnte man auch umgekehrt definieren. Ein kommunikationsfähiger Hund, ein Mensch mit geringer Oxytocinausschüttung, ein Augenkontakt.... 

Ich möchte an dieser Stelle einen Schnitt machen.

Auch wenn der ein oder andere Leser nun den Eindruck gewinnt, dass ich ein kleiner Bio-Chemiker bin, muss ich das leider mit dem Ende dieses Satzes dementieren.
Jeder Organismus ist ein Unikat, und so befürworte ich keinesfalls eine Auswertung chemischer Prozesse mit einer Postulierung auf das Allgemeine. Mit Dingen, die man nicht mag, gilt es sich aber ganz besonders zu befassen, um zu erkennen, warum man so eine Anti-Affinität hat, kommt sie doch in erster Linie aus einem selbst, nicht vom Gegenüber oder dem jeweiligen Gebiet. Nur durch diese Sichtweise können negativ gestimmte Gefühle sich in etwas verwandeln, dass bestenfalls in einer Resonanz mündet.
Die Liebe ist der Quell des Lebens, für uns  Bewohner des Erdenrunds ist der Spender die Sonne. Aus der Natur heraus entsteht kein Leben ohne Liebe, indes kann Leben ohne Liebe durch den Spender gestillt werden. In dieser Formulierung ist unser Stern weiblich, eine SpenderIn. Der männliche Teil, der unser Verhältnis steuert, der Gegenpol des dualistischen Weltbilds ist ein ER – der Geist der Dinge, den wir nutzen können, um unserer Liebe Ausdruck zu geben.

Ich trage Sonnenbrille; vielleicht weiß nun der aufmerksame Leser, die zwischen den Zeilen schauende Leserin, weswegen ich das so handhabe.
Meine Wenigkeit hat in seinem Leben schon weit über 1000 unterschiedliche Hunde in über 15 Jahren Beschäftigungstherapie mit lupus canis familiaris erlebt. Keines dieser Wesenheiten hat mich jemals angebellt bzw. sein Verhalten eingestellt, wenn es in meinen unmittelbaren Bereich, meiner individuellen Intimdistanz vor- oder sogar eingedrungen ist.  
Wie die Sonne Liebe überträgt, so kann auch jede einzelne Lebensform Liebe weitergeben, die sie empfangen hat. Es ist - "in meinen Augen" - sogar eine gewisse Pflicht.
Jener Pflicht komme ich nach, nicht nur um Defizite auszugleichen.



Blogpost Scriptum: Die Kommentarfunktion von Google ist zu diesem Post abgeschaltet. Es kann natürlich über Speetools kommentiert werden, aber mir wäre es lieber, wenn ein Austausch direkt und zentral über das Blog von Severine vollzogen wird.
Nachtrag & Update: Die Kommentarfunktion ist seit 06.11.15 wieder freigeschalten. Der ursprünglich geschriebene Posts (v. 25.08.) wurde hochgeholt. Grund dafür ist die dazu in der Auflage 12/2015 des Hundemagazins WUFF erschiene Dokumentation zu dieser Reihe. Auch mein Beitrag wurde dort erwähnt (s. Abb. rechts).

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