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Beten, aber richtig

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Energie (Pt. 5)

... für alle "isten", auch die Atheisten! 

"Meine Hände sind meine Sprache, wie meine Augen, mein Mund, mein ganzer Körper. Ich drücke mich mit ihnen aus, wie es in südlichen Ländern alle Menschen tun."
(Klaus Kinski aus dem Buch 'Ich brauche Liebe')


Zum Thema gibt es eine Seite im I-Net, die genauso heißt wie der Titel aber ohne das "aber" dafür mit einem minus zwischen dem Zeit- und Eigenschaftswörtern eingefügt. Das und noch viel mehr habe ich bei meiner Mini-Recherche soeben festgestellt. Ich tue das immer, da ich ungern etwas schreibe, was schon mal vor mir jemand angegangen ist. 


Dass das Wort "beten" unter die Verbe geworfen wird ist für mich schon etwas absonderlich. Denn man fragt ja dann: "Was tue ich" und antwortet mit "Beten". 
Die Frage sollte eher lauten: "Wie lebe ich" und die Antwort wäre dann folglich: "Betend". 
Man sagt dem bekannten Spruch "Ora et labora (et lege, deus adest sine mora)" oft dem Benediktiner-Kloster-Begründer Benedikt von Nursia nach, obgleich das Sprüchlein (im Ganzen übersetzt: Bete und Arbeite und lies, Gott steht dir unverzüglich bei) eigentlich erst im späten Mittelalter prägend für die Mönche wurde. 
Wie auch immer, liest sich hier viel heraus und lässt sich auch gleichsam viel hinterfragen.
Wie leben die Mönche? Antwort: "Betend und arbeitend und lesend, denn Gott ist ja da" wäre eine Möglichkeit.

Die unweigerliche Frage, die sich einem persönlich stellt, wie wir den so leben, lässt sich ganz einfach in einer Mini-Geschichte auf einen allgemeinen Punkt bringen.
Unseren Protagonisten nennen wir mal nach der Statistik 2012 der beliebtesten Vorname Bayerns 'Maximilian'.

Der kleine Maxi kommt zur Welt, wie die meisten unter seinesgleichen wohl direkt im Kreissaal eines Krankenhauses. Unglaublich aber wahr, das Kind lebt und ehe man sich versieht ist der Kleine im Kindergarten, dann in der Schule, vielleicht sogar in einer Hochschule, vielleicht studiert er auch. Nein, er tut es auch. Aus Maxi wird ein Max und später ein Maximilian mit einem akademischen Titel davor.
Die in dieser Zeit stattfindende Doktrin, welche den Maxi da fast täglich eingetrichtert wird, ist einfach und lässt sich zusammenfassen mit: 'Lernen, lernen, lernen', damit man mit gut bezahlter Arbeit viel Geld verdient, damit man sich 'Wohlstand' aufbauen kann in Form von materiellen Gütern wie Haus und Auto.  
Und in der Geschichte hat das Maxerl in der Tat Glück und bereits vor Ende seines Studiums eine Mini-Wohnung und eine altes Auto, was ihm auch Glück in der Liebe bringt, die er auch kennenlernt, aber dann doch wieder fallen lässt. Erst als er Doktor ist lernt er seine Anna [beliebstder weiblicher Vorname in o. g. Statistik] kennen und nennen wir es mal lieben. Es wird geheiratet, Kinder folgen, sagen wir ein Lukas und eine Emma [s. o.]. Nach 14 Jahren und 2 Monaten [Scheidungsrate 2010] ist es dann vorbei, die Frau verlässt ihn und zieht mit den Kindern in der Norden. Folglich hat er wenig Kontakt mit seinen Kindern, was er aber gut verkraftet, schließlich wird er in seinem Beruf vollends beansprucht.
Trotzdem findet er noch ein wenig Zeit zum Flirten. Unser Dr. Max hat wieder Glück in der Liebe, schließlich ist er ja gut betucht und begehrenswert auf dem Markt. Mit der neuen Frau entsteht ein eheloses Kind, eine Ehe kommt nie zustande. Die Partnerschaft geht irgendwann mal auseinander. Maximilian ist jetzt wieder ganz alleine, obgleich er gute Beziehungen zu seinem 3. Kind hat und mit den anderen beiden auch keine Probleme existieren, sie sind ja auch mittlerweile schon erwachsen und haben selbst Kinder.
Doch sie sind weit weg von ihm und so fristet er alleine sein Rentnerdarsein, aber auch nicht unbedingt lange. Denn er wird immer öfters krank und bevor er pflegebedürftig wird stirbt er einsam und verlassen in seiner großen Villa in Süddeutschland.

So, leider kein 'Happy End', aber genau so oder ähnlich oder vielleicht auch etwas schöner sieht ein Leben von einem Menschen aus, der nach der Programmierung lebt, die ihm in Kindesalter eingetrichtert wurde. Es spielt wirklich keine Rolle, ob eine Ehe von Anfang bis zum Ende hält und wie schön alles sein könnte. Die Punkte des Lebens lassen sich auch ganz einfach zusammenfassen:
Geburt - Lernen - Arbeiten - Geld verdienen - Wohlstand aufbauen - evtl. Nachwuchs hervorbringen - Austritt aus der Arbeitswelt - Ruhestand - Tod
Was dazwischen ist bleibt unbeachtet. Warum sollte man es auch beachten?

Dabei fängt alles ganz nett an. Geburt ist okay, Lernen ist okay, Arbeiten ist irgendwie auch erklärbar. Dann fängt es an zu hapern. Aber eigentlich schon viel früher, denn ich kann mir für Mutter und ein Neugeborenes wesentlich "romantischere" Orte als einen Kreissaal vorstellen. Auch bezweifele ich, dass ein Kind so viel lernen muss, nur um später einmal einer Tätigkeit nachgehen zu dürfen und gar zu müssen. 

Was hat das alles jetzt mit dem Thema "Beten, aber richtig" zu tun?
Das ist leicht erklärt, aber vorweg stellen wir uns doch mal die folgenden Fragen je nach Gesinnung:

  • Allgemein: Glauben wir als Menschen, dass unsere Art, die doch über alle stehen kann auf diesen Planeten, so ein Darsein tatsächlich zuzumuten ist?
  • Gottestreue sollten sich fragen, ob es des Herrgotts Plan war, dass seine "Abbild" so zu leben hat.
  • Andersgläubige oder solche, deren Grundsatz es ist Gottheiten zu verehren, sollte sich fragen, ob es denn Sinn macht jemanden zu verehren oder anzubeten, der so einem Unsinn wohlgesonnen gegenübersteht und billigt.
  • Nicht-Gläubige können sich nach dem Sinn der ganzen Sache fragen.
Und alle, die sich selbst in keine Schublade stopfen können, dürfen einfach alles mal hinterfragen.


- - - Fortsetzung, 16.09.2013 - - -

Ich habe im Blog schon mal bekundet, dass ich gemäß meiner gelebten stoischen Lehre den Pantheismus nicht unbedingt entgegenstehe, ihn sogar in gewisser oder vielmehr meiner Weise befürworte (hier erwähnt [Strg+F-Suche]).
Und genau hier möchte ich fortsetzen, wo dann auch solche wärmer mit meiner Kernaussage (folgt am Schluß) werden könnten, die sich eben als weniger oder gar nicht religiös o. ä. bezeichnen (würden).
Wem der Begriff Pantheismus nichts sagt, der klick hier zu diesem schönen Artikel [Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 366-367].

Im obigen letzten Link ist eine sehr interessante Stelle, die kurz die "Strohhalm-Geschichte" des italienischen Philosophen und Humanisten (sowie auch Theologen und Priesters) Lucilio Vanini erwähnt, der letztendlich bei lebendigen Leib und abgeschnittener Zunge als Ketzer verbrannt wurde (wer solch Grausamkeiten nachlesen will soll hier klicken).
Sein Ausspruch im Wortlaut: "Auch dieser Halm nötigt mich zu glauben, daß ein Gott ist." bzw.
"Wenn ich auch das Dasein Gottes leugnen würde, dieser Halm würde es beweisen!"
Ob er nun das eine oder andere oder sogar beides gesagt hat, ob mit oder ohne Zunge, ob auf den Scheiterhaufen oder vor der Verurteilung, dass spielt nicht wirklich eine Rolle. Der Fakt, dass er solch Worte sagte ist wichtig.

Sehen wir das Dargeschehene im Kontext, dass Menschen oft aus der Not heraus anfangen wahre Worte zu sprechen bzw. - zum Thema bezogen - mit einem Gebet beginnen, kann man oft weitaus mehr herauslesen, als wenn man sich mit dem gesamten Leben und Leiden einer Figur aus der menschlichen Geschichte akribisch beschäftigte.  

Für mich ist ein Lucilio Vanini ein überzeugter Anhänger des Pantheismus gewesen, der aufgrund seiner Taten für seine Sache - so geschickt er sie auch untermalte - letztendes doch der Einfachkeit halber als verkehrter Atheist aus dem Weg geräumt wurde, um ja nicht die Säulen der großen Kirche zu stürzen. Leider hat ihn kaum jemand in den späteren Jahr(hunderten) genauer im Bezug auf seine Anschauungen beleuchtet oder ihn einfach mit Absicht oder aus Eigennutz heraus verkannt bzw. sich seinen wirklich unwichtigen Lebenslinien gewidmet.

Bei all seinen Vorträgen und Schriften hat er jedoch den Nenner erst am Ende seines Lebens für sich entdeckt und laut und klar geäußert. Wäre er weniger durch die Lande gezogen, hätte er für sich persönlich wohl genau das ausleben können für was er stand. Anders gesagt ist seine Existenz gescheitert, weil selbst meine Lobenshymnen sind derer zu wenig.


Die Kernaussage:
Ich habe nun zwei Beispiele und eine Geschichte mit Buchstaben und Worten zu Sätzen gebracht. Die Geschichte soll zum (Eigennach-)Denken so stehen bleiben. Die Benediktinermönche und deren Floskel soll als Ansatz dienen. Die Erkenntnis eines Italieners ist die schlussendliche Lösung, wie man richtig betet.
Nicht ein Gebet nach strikter Tageszeit oder aus der Gegebenheit heraus in den Tag einfließen lassen ist es, was uns näher bringt. Es ist nicht grundsätzlich falsch, aber besser wäre es, wenn unser aller und fester Wille es wäre, aus den wachen Stunden am Tag ein Gebet zu machen. Anders gesagt: nicht nur Beten, sondern das Leben zu einem Gebet (zu) machen.
Strikte Regeln und Gebetsfloskeln wären somit nicht mehr nötig. Kein Christ müsste das Vaterunser auswendig lernen, er würde sein eigenes gestalten. Auf der anderen Seite ist das kein umschlungener Ausweg aus den Schriften, vielmehr eine Losung, die man sich bei Bedarf selbst sucht, sofern man es benötigte, weil einem das eigenständige Denken an dem ein oder anderen Tag nicht wohlgetan ist.
Hilfen für mich in diesem Bezug waren die dort erwähnten Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine.


Wie gestaltet man nun so ein "Leben im stetigen Gebet"?

Ein wirklich lebender Pantheist könnte dabei tatsächlich helfend Ratschläge verteilen, denn wenn er die Natur und alles um ihn herum - was natürlich ist - als nicht nur wertvoll, sondern auch erhaltenswert, ja schützenswert befindet, dann wird er nicht durch die Welt unbedarfst schlendern ohne sich dabei keine Gedanken darüber zu machen, ob er nicht durch seine einfache Präsenz schädlich in die Natur eingreift. Wer schon einmal eine Schnecke samt Haus zertreten hat, der wird in etwa das nachvollziehen können, was ich eben versuchte zu beschreiben.

Wer es sich schwerlich vorstellen kann, hier zum Schluss ein Gedankenspiel:
Du lebst wie Peter Lustig aus Löwenzahn in einem Bauwagen. Um dein kleines "Haus" ist ein Garten angelegt, der aufgrund seiner geringen Größe und der Tatsache, dass er dich ernähren soll, sehr gezielt und "engmaschig" mit vielen Beeten angelegt wurde, die wenige Grünfläche ist nur rund um deinen Bauwagen, weil du dich auch dort wäscht und Fläche brauchst um z. B. Holz zu haken oder dergleichen Nötigen. Du bewegst dich somit zur Erhaltung deines kleinen Idylls sehr vorsichtig und ausschließlich auf den dafür vorgesehenen Wegen in deinem Garten.
Bildquelle: http://a2.tvspielfilm.de/imedia...jpg
Dein Garten hat keinen Zaun, weil du die natürliche Befriedung gewählt und Bäume sowie Hecken als Begrenzung gepflanzt hast. Dein Nachbar - Herr Paschulke - ist in unserer Vision/Version ein netter Kerl, der das sehr schätzt. 
Alles läuft perfekt über die vielen Jahre. Eines Tages erhältst du jedoch ungebetenen Besuch, der sich in Form eines Hundes namens Keks vorankündigt. Dieser erkennt deine Büsche als eine Art von Hindernis an, dass er ohne Probleme überspringen kann und landet beim Aufsetzen auf den Boden bezeichnenderweise mitten in einem frisch gesäten Beet. Er hat sich von der Leine gerissen, weil er irgendetwas ganz spannendes zu Essen bei dir gerochen hatte. Bei seiner Suchaktion dabei macht er dir den halben Garten kaputt. Ihm folgt dann auch noch sein Herrchen Fritz Fuchs, welches ebenfalls beherzt den Hund einzufangen über deine Hecken hüpft und in einer Gartenfläche landet. Unbedacht rennt er querfeldein durch deinen Garten, um seine Fellnase bei der Zerstörungsaktion zu hindern, schmeißt noch ein paar Hochbeete und Setzlinge in Töpfen um und setzt damit das I-Tüpfelchen zur Aktion Gartenverwilderung.

Ich glaube damit sei alles gesagt, wenn auch nicht mit einem schönen Ende am gleichnamigen. Was man daraus lesen will, kann jeder für sich entscheiden. Eines kann ich verraten, was keinesfalls die Quintessenz der Dinge ist: ich kann auch Geschichten mit schönem Ausgang schreiben.

Ein PS dazu, warum dies in die Artikelreihe "energie" fällt kann man selbst erleben, wenn man nach diesem Motto lebt, für das ich diese Zeilen verfasst habe.

Es gilt, eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit für mich ist, 
die Idee zu entdecken, für die ich leben und sterben will. 
(Søren Kierkegaard, Die Leidenschaft des Religiösen)

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